23. Januar 2010

ICE Rhein/Main-Rhein/Neckar - BUND und NABU zur ZIV-Studie Darmstadt Westbahnhof

Von: Brigitte Martin

Enttäuscht zeigen sich die hessischen Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) vom jüngsten Gutachten des ZIV (Zentrum für integrierte Verkehrssysteme) im Auftrag der DB AG, das der Bahn die Machbarkeit eines Außenfernbahnhofs Darmstadt-West nahe der Siedlung Tann bestätigt. Sie kritisieren die fehlende Gesamtbetrachtung bereits vorgeschlagener Lösungen im Sinne der Region.

Brigitte Martin, Vorstandssprecherin des BUND Hessen, bemängelt, dass in der Studie lediglich die isolierte ICE-Anbindung des Außenbahnhofs Darmstadt-West entlang der Hauptstrecke Frankfurt – Mannheim betrachtet wurde, nicht aber die Möglichkeiten, die eine Einschwenkung auch von schienengebundenem Regionalverkehr auf die ICE-Neubaustrecke nördlich von Darmstadt bieten. Dann, so BUND und NABU, würden sich im ZIV-Gutachten dargelegte Kapazitätsprobleme vorhandener Straßenbahnlinien Luisenplatz Darmstadt – Tann – Griesheim so nicht stellen. Denn die Menschen, die in Zügen oder in Bussen am Darmstädter Hauptbahnhof ankommen, könnten auch im Zug bequem sitzen bleiben, wenn die qualifizierte Nordeinschleifung auf die Neubaustrecke gebaut ist. Laut Bahn beträgt die Fahrtzeit vom Darmstädter Hauptbahnhof über den Schwenk der Neubaustrecke zwölf Minuten bis zum Flughafenbahnhof oder auch zum Hauptbahnhof Frankfurt. Fahrgäste aus dem Odenwald, von der Bergstraße, aus Richtung Aschaffenburg/Dieburg und Groß-Gerau/Weiterstadt über Darmstadt Hauptbahnhof hätten so eine vertaktete Direktverbindung über den Frankfurter Flughafenbahnhof nach Wiesbaden. Beim Bau der bereits planfestgestellten Wallauer Spange beim Abzweig der Neubaustrecke Köln-Rhein/Main nach Norden ergäben sich etliche Möglichkeiten der Verknüpfung von Nah- und Fernverkehren mehr.

Gerhard Eppler, Vorsitzender des NABU Hessen, führt aus: „Auch ICEs, die über die Altstrecke der Main-Neckar-Bahn über den Darmstädter Hauptbahnhof fahren, können über den Flughafenbahnhof nach Köln oder Hamburg weitergeführt werden. 20 Minuten umständliches Umsteigen in Darmstadt ist dann unnötig.“ Wenn in Darmstadt Hauptbahnhof haltende Züge nicht in den Integrierten Takt passen, so kann bequem am Frankfurter Flughafen oder Hauptbahnhof umgestiegen werden.“ All das, so die Verbände, berücksichtigt das ZIV-Gutachten nicht und muss mühsam erklären, welche Straßenbahnen oder Busse Umsteiger vom Hauptbahnhof zum Westbahnhof und umgekehrt in veranschlagten 20 Minuten befördern sollen.

Fazit der Naturschutzverbände BUND und NABU ist: Das ZIV-Gutachten muss um diese Gesichtpunkte erweitert werden. Wir brauchen für Mensch und Natur den Darmstädter Hauptbahnhof mit einer qualifizierten zweigleisigen Nordeinschleifung auf die Neubaustrecke. Dafür müsste die sowieso eingleisig wegen möglicher Unfälle auf der Hauptstrecke notwendige Betriebsgleisführung um ein Gleis ertüchtigt werden. Durch ihre engstmögliche Trassierung entlang der Autobahn 5 und in Anlehnung an die vorhandene Schienenstrecke vom Hauptbahnhof Darmstadt Richtung Weiterstadt/Mainz schont sie die Natur im Norden und ermöglicht auch regionalen Zug-Pendlern ein komfortables Weiterfahren über den Flughafenbahnhof nach Wiesbaden. Ein Außenbahnhof Tann muss in dieses Konzept passen und kann dieses Angebot sinnvoll im Fernverkehr ergänzen.

Eine Absage erteilen die Verbände einer Vollanbindung des Darmstädter Hauptbahnhofes. Eine Vollanbindung bewirkt, dass die mehrheitlich nicht in Darmstadt haltenden Züge mit 250 Stundenkilometern durch Darmstadt rauschen, auch die prognostizierten 40 Güterzüge auf der Neubaustrecke in der Nacht. Bei der Betrachtung der Vollanbindungsvarianten des Hauptbahnhofs ist die Variante IV des Raumordnungsverfahrens gegen alle Kommunen an der Bergstraße nahe der Autobahn 5 südlich Darmstadts nicht durchsetzbar. Die Folge einer Vollanbindung Darmstadts wären wegen der Trassierung auf höhere Geschwindigkeiten der nicht in Darmstadt haltenden Züge stets eine Zerschneidung des wertvollen Waldbestandes bei Arheilgen im Norden auch östlich der L3113. Im Süden bei der Variante III aus der Raumordnung würde zusätzlich zur Westwaldzerschneidung auch das bestehende Gewerbegebiet und die Kelly Barracks sowie die massive Beeinträchtigung der Wohnqualität an der Eschollbrücker Straße und im Ernst-Ludwig-Park folgen. Die eingleisige sogenannte Konsenstrasse würde im Norden nicht genügend Vorteile für den möglichen Regionalverkehr bieten, im Süden zu ungelösten Konflikten mit Gewerbe, Menschen und Natur oder zu ökonomisch nicht darstellbaren Tunnellösungen führen.

Wer die Vollanbindung oder die Konsenstrasse Darmstadts fordert, muss auch erklären, welche Mehrbelastungen für Mensch und Natur er dadurch bewirkt ohne dass der Regionalverkehr und die Region Vorteile haben würde, so die Verbände abschließend.

 

Rückfragen an:
Brigitte Martin, BUND, Telefon 06151 37931, mobil 0175 2344689
Gerhard Eppler, NABU, Telefon 0160 8090211




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