Biologische Vielfalt (Biodiversität) weltweit und in Darmstadt

Eisvogel auf einem Ast in der Natur
Eisvogel auf einem Ast

Das Zentrum für Stadtnatur, das ab 2019 in Darmstadt schrittweise errichtet wird, fördert auch die Biologische Vielfalt im stark bebauten innerstädtischen Bereich. Biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt, ist als Grundlage unseres Lebens ein schützenswertes Gut. Deshalb werden Strategien entwickelt, um dem zunehmenden Artensterben gegenzusteuern.

Was ist Biologische Vielfalt?

Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD) definiert Biodiversität wie folgt:

„Biologische Vielfalt bedeutet die Verschiedenartigkeit von lebenden Organismen unterschiedlicher Lebensräume einschließlich u. a. landgebundene, meergebundene und anderen wassergebundenen Ökosysteme und die ökologischen Gefüge, zu denen sie gehören; das heißt die Vielfalt:

  1. innerhalb von Arten,
  2. zwischen Arten,
  3. wie auch Ökosystemen.“ (Übersetzung)

Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen für unser Leben. Die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und zwischen den Ökosystemen (z. B. Wiesen, Bäche und Seen oder Laubwald) sind in Wechselwirkung zueinander: Spezielle Arten lassen sich nur in speziellen Lebensräumen nieder, die von verschiedenen Umweltbedingungen beeinflusst werden. Genetische Unterschiede innerhalb der Arten erhöhen die Überlebenschancen der Art bei sich verändernden Umweltbedingungen sowie die Resistenz gegenüber Krankheitserregern.

Aktueller Zustand der Biologischen Vielfalt

Die Rate des Artensterbens auf der Welt ist aktuell hundert- bis tausendfach so groß wie die natürliche Aussterberate. Die Übersichtsstudie (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) liefert Informationen zu weltweiten Insektenrückgängen und bewertet die möglichen Ursachen.
Ein Ergebnis daraus ist, dass bei gleichbleibendem Trend 40 Prozent der Insektenarten weltweit in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht sein werden.

Die deutschlandweiten Roten Listen der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze sind die umfassendste Darstellung zur Lage der Artenvielfalt in Deutschland. Über 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze werden in den bundesweiten Roten Listen in Bezug auf ihre Gefährdung untersucht, davon ca. 11.000 Taxa (Arten und Unterarten). In der folgenden Grafik aus dem Artenschutzreport 2015 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist die Gefährdungssituation der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands zusammengefasst.

Diagramm: Gefährdungssituation der Tiere, Pflanzen und Pilze laut den Roten Listen 2009-2013 (Quelle: Bundesamt für Naturschutz)
Gefährdungssituation der Tiere, Pflanzen und Pilze laut den Roten Listen 2009-2013
(zur Vergrößerung klicken; Quelle: Bundesamt für Naturschutz)

Ursachen für den Rückgang der Biologischen Vielfalt

Kleiner Fuchs auf Blüte
Kleiner Fuchs

Laut dem Bericht „Millennium Ecosystem Assessment und seine Relevanz für Deutschland“ von 2006 des UFZ Leipzig sind die relevantesten direkten Triebkräfte für die Abnahme der Biodiversität der Landnutzungswandel (z. B. Siedlungsbau, Verkehr), Klimaänderungen (z. B. durch die Freisetzung von Treibhausgasen aufgrund intensivierter Landwirtschaft oder des Verbrennens fossiler Brennstoffe), flächenübergreifende Nähr- und Schadstoffbelastung (z. B. durch Landwirtschaft), die Übernutzung natürlicher Ressourcen und das Auftauchen invasiver Arten.

Im Falle der Insekten werden für deren weltweiten Rückgang in der Übersichtsstudie (Sánchez-Bayo/Wyckhuys, 2019) konkret folgende Hauptursachen genannt: Der Verlust an Lebensräumen, der Übergang zu intensiver Landwirtschaft und Urbanisierung, die Verunreinigung (v. a. durch Pestizide und Düngemittel), die biologischen Faktoren wie Krankheitserreger und eingeführte Arten sowie der Klimawandel.

Bedeutung der Biologischen Vielfalt für den Menschen

  • Ökosystemleistungen
    Ökosystemleistungen sind beispielsweise die Bestäubung durch Insekten, der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit oder die Speicherung und Umwandlung von CO₂ in Wäldern, Mooren, Böden etc. Viele Tierarten sind auf bestimmte Tier- und/oder Pflanzenarten angewiesen, um sich zu ernähren und fortzupflanzen und sind selber Nahrungsquelle für andere Arten. Wenn Arten aussterben, können sie ihre relevante Funktion im Ökosystem nicht mehr erfüllen, die zur Erhaltung von Ökosystemleistungen oder auch als Züchtungsressource für Nutztiere und -pflanzen wichtig sind.
  • Ernährung
    Pflanzen- und Tierarten sind Nahrungsgrundlage für den Menschen und die Natur liefert wertvolle Rohstoffe für die Fertigung in der Industrie und die modernisierte Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.
  • Bionik

    Als Zusammensetzung aus Biologie und Technik werden in der Bionik aus der Biologie abgeleitete Prinzipien für technische Anwendungen genutzt. Biodiversität liefert Vorbilder für den Einsatz der Bionik u. a. in der Medizintechnik, im Umweltschutz, in der Pharma- und Chemieindustrie sowie in der Energiewirtschaft. Ein Beispiel für Bionik ist der „Lotus-Effekt“: Ein Effekt, der das Abperlen von Wassertropfen an Oberflächen von bestimmten Pflanzen- und Tierarten beschreibt, um Schmutzpartikel abzutransportieren. Diese Eigenschaft wurde in die Technik übernommen. 

  • Arzneimittel
    Menschen können ihre Gesundheit durch Arzneiwirkstoffe aus der Natur sowie die therapeutische Wirkung vielfältiger Natur verbessern. Heutzutage werden 121 bekannte Arzneiwirkstoffe aus Pflanzen extrahiert. Zusätzlich werden international 50.000-70.000 Pflanzenarten als Heilmittel im erweiterten Sinne benutzt.
  • Klimawandel
    Je gesünder und vielfältiger das Ökosystem mit seinen Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen, Algen und Pilzen in ihren Lebensräumen ist, desto besser kann es sich an verändernde Umweltbedingungen wie z. B. durch die Auswirkungen des Klimawandels anpassen.
  • Tourismus, Sport und Erholungswert
    Das Erleben und der Zugang zu intakter Natur und Umwelt sowie schönen Landschaften ist insbesondere im Tourismus eins der wichtigsten Urlaubsmotive.Für den Tourismus, aber auch für das Ausüben von Sport und den Erholungswert in der Natur ist der Erhalt der Vielfalt an Lebensräumen sehr wichtig.

Strategien gegen das Artensterben

Die in Deutschland heimische Wildkatze
In Deutschland heimisch: Die Wildkatze

Deutschland trägt die weltweite Verantwortung für Arten, von denen ein großer Teil der Weltpopulation hier beheimatet ist, wie beispielsweise im Fall der Wildkatze. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland nennenswerte Fortschritte zum Aufbau eines repräsentativen Schutzgebietsnetzes gemacht. Zusätzlich gibt es hier Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke.

Der „Masterplan Stadtnatur“

  • Auf allen Ebenen werden Maßnahmenpakete und Aktionspläne gefasst, um dem weltweiten Artensterben effektiv begegnen zu können. An die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen angepasst, bedeutet dies, dass Biodiversität auch im städtischen Umfeld verortet werden muss. Der in der Verabschiedung befindliche „Masterplan Stadtnatur“ der Bundesregierung gibt vor:
    „Die Menschen sollen vor ihrer Haustür die Schönheit und Leistungsfähigkeit unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt erfahren und genießen können. Unsere Städte sollen lebendiger werden. ... Zentral für den neuen Förderschwerpunkt ist zudem, die Akteure vor Ort zu vernetzen und Stadtnatur zu vermitteln. Bei den Programmen der Gesundheits- und Präventionspolitik ist das Handlungsfeld Stadtgrün umfassend zu berücksichtigen. Der künftige Schwerpunkt der Gesundheitsförderung, der in Kindertagesstätten, Schulen, Kommunen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen liegen wird, soll unter besonderer Berücksichtigung des grünen Freiraums ausgestaltet werden.“

Das Zentrum für Stadtnatur und die
„25 Schritte zur Biologischen Vielfalt in Darmstadt“

  • Das BUND Zentrum für Stadtnatur ist eine direkte Umsetzung der Vorgaben des Masterplans auf kommunaler Ebene. Neben der Steigerung der Biodiversität im stark bebauten innerstädtischen Bereich ist die Verknüpfung von Bildung, Inklusion und Naturschutz im Sinne des Masterplans zu verstehen.
  • Darmstadt ist weiterhin eine der Kommunen für biologische Vielfalt und in diesem Zusammenhang beschrieben als „eine Stadt mit besonders hoher biologischer Vielfalt. Dies ergibt sich unter anderem aus der Lage im Schnittbereich von fünf naturräumlichen Haupteinheiten mit großer geologisch-klimatisch-hydrologischer Diversität. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt ermittelt, das ‚sind Regionen in Deutschland mit einer besonders hohen Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume.‘ Darmstadt ragt mit seinen westlichsten Teilen in einen dieser Hotspots hinein: Nördliche Oberrheinebene mit Haardtplatten.“
Karte: Hotspots der Biologischen Vielfalt (Quelle: Bundesamt für Naturschutz)
Die 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt
(zur Vergrößerung klicken; Quelle: Bundesamt für Naturschutz)
  • Um dieser besonderen Verantwortung gerecht zu werden soll durch das kommunale Maßnahmenprogramm „25 Schritte zur Biologischen Vielfalt in Darmstadt“ die weitere Verwirklichung und Sicherung der Artenvielfalt erfolgen. Das BUND Zentrum für Stadtnatur schafft dabei die Möglichkeit einige der 25 Schritte konkret zu fördern. Das sind unter anderem:
    • „4) Erhaltung von naturnahen Flächen im Siedlungsbereich und Nutzung bestehender Potenziale zur Schaffung von naturnahen Flächen und Naturerlebnisräumen innerhalb des Siedlungsraumes.“
    • „5) Erhaltung und Neuschaffung von wohnungsnahen Grünflächen“
    • „21) Intensive Öffentlichkeitsarbeit zur besseren Wahrnehmung der Bedeutung der biologischen Vielfalt bei den Bürgerinnen und Bürgern.“
    • „22) Verstärkte Kooperationen mit vielen Partnern, um zusätzliche Synergien zu schaffen.“
    Insbesondere die letzten beiden Maßnahmen werden durch das Zentrum auf dem Gelände der Orangerie vollkommen neu entstehen und die ehemals nur gärtnerisch genutzte Fläche für diesen Zweck aufwerten.


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  • 89 % der Deutschen bewerten den Naturschutz als wichtige politische Aufgabe
  • 90 % wünschen stärkeren Schutz der Meere vor Überfischung
  • 87 % lehnen gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft ab
  • 68 % fürchten um intakte Natur für ihre Kinder und Enkelkinder *

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* Quelle: "Naturbewusstseinsstudie für Deutschland", Bundesamt für Naturschutz 2010 im Auftrag des Bundesumweltministeriums

Blaumeise schaut aus ihrem Nistkasten, Bild Viktor Stolarski, pixelio.de
Foto: Viktor Stolarski, pixelio.de

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